Eine Idee wird real

– Zur Vor­ge­schich­te des Ri­se­berg-Denk­mals in Im­men­hau­sen –

Arbeiter der Firma Herbich im Februar 2002 auf den Philippinen vor der fertigen Statue
Arbeiter der Fir­ma Her­bich im Feb­ru­ar 2002 auf den Phi­lip­pi­nen vor der fer­ti­gen Sta­tue
Foto: n.n.
 

Gipsmodell als Vorstudie zur Statue im Maßstab 1:8
Gipsmodell als Vor­stu­die zur Sta­tue im Maß­stab 1:8
Foto: n.n.

Der Kirchen­vor­stand der ev. Kir­chen­ge­mein­de Im­men­hau­sen hat im No­vem­ber 2000 die An­re­gung sei­nes lang­jäh­ri­gen Mit­glieds Fried­rich-Karl Baas auf­ge­grif­fen, in Zu­sam­men­ar­beit mit der Stadt Im­men­hau­sen auf dem Kirch­platz ein Denk­mal zur Er­in­ne­rung an den ers­ten re­for­ma­to­ri­schen Pre­di­ger in un­se­rem Ort auf­stel­len zu las­sen. Nach Ab­klä­rung der nö­ti­gen for­ma­len Fra­gen wur­de der in Im­men­hau­sen an­säs­si­ge Bild­hauer Ro­man Kras­nitz­ki be­auf­tragt, ei­nen Ent­wurf (in Form ei­nes Gips­mo­dells) für ei­ne Ri­se­berg-Sta­tue zu er­ar­bei­ten. Er stell­te die­sen Ent­wurf im Früh­jahr 2001 vor. Nach ei­ni­gen De­tail­än­de­run­gen traf sein Vor­schlag so­wohl beim Kir­chen­vor­stand als auch bei den Ver­tre­tern der Stadt auf gro­ße Zu­stim­mung. Bis zum Som­mer 2001 fer­tig­te der Künst­ler dann ein 1:1-Mo­dell der Sta­tue an, die als Ty­pos für den Bron­ze­guss dien­te. Der Guss wur­de von der Kunst­gie­ße­rei Her­bich, ei­ner deut­schen Fir­ma, in ei­nem Zweig­werk auf den Phi­lip­pi­nen aus­ge­führt. Das fer­ti­ge Denk­mal kam im Früh­som­mer 2002 nach ei­ner lan­gen Schiffs­rei­se in Im­men­hau­sen an. Ein Jahr nach der Um­ge­stal­tung des Kir­chen­um­fel­des hat es nun sei­nen Platz im süd­li­chen Be­reich vor dem Kirch­turm ge­fun­den.

Vorlage für die Statue in einem frühen Stadium
Vorlage für die Sta­tue in ei­nem frü­hen Sta­di­um
Foto: n.n.

Im Folgen­den sei­en ei­ni­ge Grün­de be­nannt, die zur Ent­schei­dung des Kir­chen­vor­stands ge­führt ha­ben, ein sol­ches Denk­mal an­zu­re­gen und zum er­heb­li­chen Teil mit­zu­fi­nan­zie­ren. In ers­ter Li­nie ging es da­rum, ein Zei­chen zu set­zen, das für Im­men­hau­sen hof­fent­lich his­to­risch noch lan­ge Be­stand ha­ben wird: Bar­tho­lo­mäus Ri­se­berg war der ers­te re­for­ma­to­ri­sche Pre­di­ger in Im­men­hau­sen – zu ei­ner Zeit, als das land­gräf­li­che Hes­sen noch fest im al­ten Glau­ben ver­an­kert war. Auch wenn vor ihm schon An­de­re im Sin­ne Lu­thers im Hes­sen­land ge­wirkt ha­ben, so schmä­lert das sei­ne Be­deu­tung für die hes­si­sche Re­for­ma­tions­ge­schich­te in kei­ner Wei­se.

Für unse­ren Ort und die ev. Lan­des­kir­che ge­bührt ihm eine he­raus­ra­gen­de Stel­lung, die jetzt auch in Form ei­nes Denk­mals öf­fent­lich und an pas­sen­der Stel­le ge­wür­digt wird. Un­se­re Ge­mein­de möch­te da­mit an den ge­schicht­li­chen Kon­text er­in­nern, auf dem die evan­ge­li­sche Kir­che grün­det.

Nach bei­na­he 500 Jah­ren sind heu­te die kon­fes­sio­nel­len Un­ter­schie­de aus da­ma­li­ger Zeit an vie­len Stel­len über­wun­den. Den­noch bleibt das his­to­ri­sche Ver­dienst der re­for­ma­to­ri­schen Pre­di­ger um Lu­ther, der Kir­che ei­nen neu­en Weg ge­wie­sen zu ha­ben, der mitt­ler­wei­le weit über die evan­ge­li­schen Kon­fes­sio­nen hi­naus sei­ne Wir­kung ge­zeigt hat. Die Vor­stel­lung z. B. vom Pries­ter­tum al­ler Gläu­bi­gen hat­te 1522/1523 noch et­was Re­vo­lu­tio­nä­res an sich. Nicht um­sonst wur­de Ri­se­berg als Un­ru­he­stif­ter hin­ter Schloss und Rie­gel ge­bracht.

Der Künstler vor seinem Werk
Der Künst­ler vor sei­nem Werk
Foto: n.n.

Heute ist der Ge­dan­ke ei­nes ei­ge­nen, per­sön­lich ver­ant­wor­te­ten und ge­ge­be­nen­falls auch von der kirch­li­chen Lehr­mei­nung ab­wei­chen­den Glau­bens für Vie­le ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, und wir ver­ste­hen kaum noch, mit wel­chen per­sön­li­chen Op­fern auch Ri­se­berg für sei­nen Glau­ben be­zah­len muss­te. Nicht zu­letzt soll das Denk­mal an den Mut die­ses Man­nes er­in­nern, der es mit der Bi­bel in der Hand wag­te, Neu­es und Un­er­hör­tes zu ver­kün­den. Dass sol­ches in Im­men­hau­sen ge­schah, ist in der Tat ein his­to­risch kaum zu un­ter­schät­zen­des Er­eig­nis für die­sen Ort. Sei­ne geis­tes­ge­schicht­li­che Trag­kraft kann auch für die Ge­gen­wart äu­ßerst be­fruch­tend sein. In­so­fern kann das Denk­mal den Men­schen der Ge­gen­wart da­zu ver­hel­fen, ih­ren ei­ge­nen re­li­giö­sen wie kul­tu­rel­len Stand­ort von Neu­em zu über­den­ken und viel­leicht so­gar zu be­stim­men.


Diens­tag, 3. Sep­tem­ber 2002: Wie Ri­se­berg auf sei­nen So­ckel kam

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Ankunft des So­ckels am Kirch­platz
Foto: B. Bren­cher

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